Am 26. Januar 2026 trafen sich Vertreter des Heimatvereins und des Heimatarchivs gemeinsam mit Bürgermeister Manuel Deitert im Groß Rekener Unterdorf. Anlass war der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Die Teilnehmenden versammelten sich vor der neuen Informationsstele, die an die auf dem jüdischen Friedhof in Groß Reken ruhenden Rekener Juden erinnert.
Stelen erinnern an jüdische Friedhöfe in Reken
Die Stele wurde bewusst an dieser geschichtlich bedeutsamen Stelle errichtet, direkt neben dem Gedenkstein zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge. Diese hatte sich in Form eines Betsaals in einem Wohnhaus nur wenige Meter von diesem Ort entfernt befunden. Der jüdische Friedhof in Groß Reken liegt hingegen einige hundert Meter weiter oberhalb, in einem Waldstück hinter der heutigen Siedlung „Kerkenberg“.
Von der Stele aus lässt sich in etwa der Weg nachzeichnen, über den die Verstorbenen nach dem rituellen Abschied in der Synagoge zum Friedhof geleitet und dort bestattet wurden.
Eine weitere Informationsstele wurde auf dem jüdischen Friedhof in Klein Reken errichtet. Dieser ist heute vielen Menschen nicht mehr als jüdischer Friedhof bekannt. Auf dem unscheinbaren Grünstreifen an der Kreuzung Mühlenweg/Auf’n Berge erinnern lediglich ein Gedenkstein und eine Heckeneinfassung an das dortige jüdische „Haus der Ewigkeit“, wie Friedhöfe in der hebräischen Tradition genannt werden. Die bis in die 1980er Jahre noch vorhandenen Grabsteine beziehungsweise deren Überreste fielen vermutlich Grabschändern zum Opfer. Luftaufnahmen sowie Aussagen noch lebender Bürgerinnen und Bürger belegen dies. Der heutige Gedenkstein wurde im Jahr 1985 errichtet.
Auf beiden Stelen werden auf einer Seite die Namen der Verstorbenen genannt, die nach historischen Aufzeichnungen auf den Friedhöfen bestattet wurden, für die jedoch keine Grabsteine mehr erhalten sind. Die Rückseite zeigt jeweils ein Foto des Friedhofs sowie einen kurzen historischen Informationstext. Über einen QR-Code können zudem weiterführende Informationen und Bilder auf einer Internetseite des Münsterland e. V. abgerufen werden.
Im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ der Arbeitsgruppe Heimatarchiv des Heimatvereins Reken entstanden außerdem zwei Broschüren, die seit Herbst des vergangenen Jahres vom Heimatverein und der Gemeindeverwaltung kostenlos an Interessierte ausgegeben wurden. Die Broschüre „Jüdische Friedhöfe erzählen“ befasst sich mit der Geschichte der beiden jüdischen Friedhöfe in Reken sowie mit den Inschriften der Grabsteine. Die zweite Broschüre trägt den Titel „Stolpersteine erzählen“ und widmet sich den bereits vor einigen Jahren in Groß Reken und Klein Reken verlegten Stolpersteinen.
Dem Projekt ging eine rund einjährige intensive Recherche- und Dokumentationsarbeit voraus. Der Initiator und maßgebliche Autor Uli Hengemühle wurde dabei maßgeblich von Walter Schiffer unterstützt, der als Experte für jüdische Geschichte und Kultur gilt. Schiffer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung jüdischer Friedhöfe, übersetzt hebräische Grabinschriften, macht sie genealogisch zugänglich und erläutert deren Bedeutung.
Weitere Hilfe erhielt Hengemühle von Franz-Josef Sühling und Hermann-Josef Holthausen aus dem Team des Heimatarchivs. Sie recherchierten in Sterberegistern und Todesanzeigen die Namen der auf den Friedhöfen bestatteten Juden. Dabei stellte sich heraus, dass in Klein Reken mehr als 20 und in Groß Reken über 60 Menschen begraben wurden. In Groß Reken sind die Namen eines Teils von ihnen noch auf den 14 erhaltenen Grabsteinen zu lesen.
Das Projekt wurde im Rahmen des Leader-Förderprogramms für die Region Hohe Mark gefördert. Bürgermeister Manuel Deitert, der derzeit auch als Kassierer im Vorstand der Lokalen Arbeitsgruppe der Leader-Region Hohe Mark tätig ist, unterstützte die Projektidee von Beginn an. Zudem regte er die Einrichtung eines Erinnerungspfades zum jüdischen Leben in Reken an, um die Geschichte vor Ort erlebbar zu machen.
Raimund Wolter, der als 1. Schriftführer den Vorstand des Heimatvereins vertrat, würdigte das Projekt als deutlich sichtbares Zeichen der Erinnerung. Zugleich hob er den informativen Charakter hervor, der durch die Broschüren und die begleitenden Online-Angebote weiter vertieft werde.
Unser Foto zeigt (v.l.n.r.): Uli Hengemühle, Hermann-Josef Holthausen, Claas Wübbeling, Raimund Wolter und Bürgermeister Manuel Deitert
Lesen Sie hier auch den ausführlichen Bericht in der Borkener Zeitung vom 27.1.2026.


